Das altbekannte Szenario: Ich brauchte Pässe für mich und die Kids und wo macht man das? Auf der guten, alten Gemeinde. Im wörtlichen Sinne. Und wann kann man da hin? Genau. Dann, wenn alle arbeiten. Auch die von der Gemeinde. Wer sich einen Merker für die Öffnungszeiten einer Gemeinde setzen möchte: einfach an den Schulzeiten der 1. Klasse orientieren (ab 08:00 Uhr bis vor 12:00 Uhr).
Um die Anträge zu stellen, ließen wir die Jungs die 1. Stunde Schule schwänzen, denn obwohl wir alles griffbereit hatten (Passfotos, Zustimmung des Vaters, Geburtsurkunden, Mama), dauert es ziemlich lange, um ein paar Formulare auszufüllen, Kinder Fingerabdrücke machen zu lassen und Unterschriften zu leisten… ach ja, und ne Menge Geld loszuwerden… Und hey, haben die Zeit, die Leute von der Gemeinde!
Naiv wie ich war, dachte ich, mit dem Abholen ginge es einfacher, stellte meinem Liebsten eine handschriftliche Vollmacht aus, schließlich hat er den Vorteil, Homeoffice machen zu können und so tatsächlich zu Öffnungszeiten hier in der Stadt anwesend zu sein. Heimgeschickt haben sie ihn – ohne die Pässe. Warum? Weil ihnen der Beweis meiner Vollmacht inkl. der gleichen Unterschrift wie auf den Pässen und die Tatsache, dass Dirk im gleichen Haus wohnt, nicht ausreichte.
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Also fügte ich mich seufzend in mein Schicksal, verließ früher an einem unglaublich heißen Donnerstag meine Arbeit, um ja pünktlich die Stunde zwischen 17:00 und 18:00 Uhr zu erwischen, in der sie – außerhalb normaler Grundschulzeiten – offen haben. Allerdings nur am Donnerstag. Kaum erwähnenswert, dass so ziemlich alle versuchen, in dieser Stunde die Stadt zu bevölkern und sämtliche Parkplätze hart umkämpft sind. Geschickterweise ist der einzige große Parkplatz in der Stadt derzeit mit einem Festspiel belegt. Kein Parkplatz dort. Nicht ein Quadratmeterchen. Durchgeschwitzt erreiche ich viertel vor sechs nach hartem Lauf vom AdW durch die halbe Stadt das Rathaus, lege meinen Perso vor, frage nach den Pässen, um gleich in einem überaus freundlichen Ton als der Naivling identifiziert zu werden, der ich war: “Ah, Sie sind das, Ihr Lebensgefährte war letzt da und wollte die Unterlagen abholen.”
Wann wurde Dr. David Banner zum Hulk? Wahrscheinlich in solchen Augenblicken. Um nicht ganz grün, bzw. rot zu sehen, auf die Ablage zu springen und zu schreien, frage ich in noch netterem Ton zurück, woran es denn gescheitert wäre, dass ich nach einem Spießrutenlauf das Zeug abholen müsse und nicht der wesentlich einfachere Weg möglich gewesen wäre. Die Erklärung leuchtet mir natürlich sofort ein: “Die Unterschrift auf dem Antrag muss die gleiche sein wie die des Abholers. Was anderes akzeptiert das System nicht.” (das System erkennt also die Unterschriften auf eingescanntem Papier und ordnet diese entsprechend zu??? …. KLAR! Gerade unsere deutsche Bürokratie ist mit solch ausgefeilter Software ausgestattet… sieht man ja an dem unglaublichen Papierberg der oft unnötigerweise produziert wird…) “Naja”, meine ich nur ganz trocken,”deshalb habe ich ja eine HANDGESCHRIEBENE VOLLMACHT ausgestellt mit übrigens MEINER ORIGINALUNTERSCHRIFT drauf!” Darauf kam nur ein schnippisches “Sehen Sie es doch mal so: Jetzt müssen Sie in den nächsten Jahren keine Ausweise mehr beantragen, jetzt haben Sie ja welche…!” zurück. Was bei mir nur die Frage aufwirft, ob die Frau auch Kinder hat, die immer wieder mal was verlieren…
Eigentlich bin ich noch ganz gut weggekommen: Ich musste kein neues Auto anmelden. Dafür hätte ich mir einen Tag frei nehmen müssen…
Oh armes Deutschland! *seufz*
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